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Der
Homo Europaeus in der Nahrungsforschung und -herstellung
Stephan Gabriel Haufe, Doktorand
Gegenstand der Forschung sind die EU-Richtlinien für Lebensmittel. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf denjenigen Vorschriften, die das Herstellen traditioneller Nahrungsmittel regeln. Beispiele hierfür sind Schwarzwälder Schinken, Grana Padana oder Französischer Brie.
Wie kommt es zu diesem Thema und was hat die Idee vom Homo Europaeus damit zu tun? Wie wir uns ernähren, unterliegt gesellschaftlichen Regeln, dazu gehören Standards für die Fleischhygiene genauso wie die Vielfalt unseres Nahrungsangebotes. Maßgeblich Einfluss auf Angebot und Güte unserer Lebensmittel hat die EU und deren umfangreiches Regelwerk für den Nahrungs- und Agrarbereich. EU-Vorschriften verändern dabei relevante Infrastrukturen und Marktmechanismen für Lebensmittel. Das hat konkrete Konsequenzen für den Alltag der Bürger in den europäischen Ländern, und nicht zuletzt für die Identifikation mit ihrem Essen. Denn klar ist, Essen gehört zur Grundlage unseres Lebens. Jeder isst und jedes Essen hat eine bestimmte Qualität, jede Speise eine bestimmte Rezeptur. Aber nicht jeder isst jedes Essen. Wie sich Güte und Inhaltsstoffe unser Nahrung zusammensetzen, woran wir hochwertiges Fleisch erkennen und was eine geschmackvolle Suppe ausmacht, hängt eng mit unseren traditionellen Vorstellungen und Ansprüchen an Nahrungsgüter zusammen. Dabei variieren die Geschmäcker von Person zu Person, von Region zu Region und von Land zu Land.
Die Untersuchung richtet sich deshalb auf die Frage, in welcher Wechselbeziehung EU-einheitliche Lebensmittelsstandards und regional wie kulturell verankerte Nahrungsmittel stehen und hinterfragt mit Hilfe der Wissensanthropologie, worauf sich Qualitätsmaßstäbe beim Essen in der EU letztlich zurückführen lassen. Schließlich verfolgt das Teilprojekt die These, dass „Europeanness“ (Bellier/Wilson 2000) oder europäische Identität unter anderem im Schnittfeld solcher aus geistes- wie sozialwissenschaftlicher Sicht eher entlegenen, unspektakulären oder gar unschuldig erscheinenden EU-Verordnungen hergestellt wird.
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